PPR-NEWS

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KW 37/2016

Wie Facebook, Apple und Co. ihre AGBs stetig anpassen und uns das überhaupt nicht hilft, weil wir bei ihnen schließlich bleiben wollen

Die AGB – friss oder stirb

»Ich habe die AGB gelesen und bin mit ihnen einverstanden« – die meisten von uns haben in ihrem Leben vermutlich dieser Voraussetzung schon öfter mehr oder weniger wahrheitsgemäß zugestimmt. Obwohl die AGB, also die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, mit denen es zum Beispiel bei der Anmeldung in Sozialen Netzwerken übereinzustimmen gilt, für den Nutzer sehr relevante Informationen enthalten, nehmen sich bekanntlich nur wenige Zeit, sie durchzulesen. 72 Prozent der deutschen Internet-User ignorieren die AGB laut einer Chip Online Studie, mit der Begründung, die Geschäftsbedingungen seien zu lang und zu komplex. Bei einer festen AGB bleibt es bekanntlich nie: Oft müssen nach einer Registrierung noch weitere Änderungen am Vertrag vom Nutzer mit einem Klick abgesegnet werden. Insbesondere Facebook ist in den vergangenen Jahren aufgrund zahlreicher AGB-Änderungen in die Kritik geraten. Grund dafür waren oft weniger die inhaltlichen Anpassungen. Bekanntermaßen ist es dem Nutzer einer Plattform nicht möglich, diese weiter zu nutzen, sofern nicht den neuen AGB zugestimmt wurde. Facebook nahm das Ganze selbst in die Hand, indem die Nutzungsbedingungen automatisch geändert wurden und die einzige Widerstandsoption für den Nutzer darin bestand, den Account zu löschen. Auch Apple handhabt das nicht anders. Widerspricht man den Richtlinien des App Stores, hat man eben keinen Zugriff auf die Apps, ganz nach dem »Love it or leave it« Prinzip.

Wir wollen trotzdem nicht verzichten

Widerstand zwecklos – Zustimmung oder Verzicht. Ein Konzept, dem wir mit Skepsis gegenüberstehen, und doch lassen wir es mit uns machen. Natürlich spielt es eine Rolle, dass wir die gesetzliche Sicherheit haben, in den AGB beispielsweise nicht auf versteckte Unkosten treffen zu können. Doch der Hauptgrund für den Mangel an Gegenprotest ist wohl eher das Bewusstsein, dass die Online-Giganten hier am längeren Hebel sitzen. Facebook und Co. haben sich im Alltag vieler Menschen etabliert und nehmen einen hohen Stellenwert ein. Für einige sind sie unabdingbar geworden, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben oder aber einfach im Sinne gesellschaftlicher Konformität. So ist es unwahrscheinlich, die Nutzer durch strittige Änderungen an den Geschäftsbedingungen dazu zu bringen, ihr Profil zu löschen. Abgesehen davon wollen wir nicht darauf verzichten, Statusmeldungen zu posten, unsere Smartphones zu nutzen oder in Online-Shops zu bestellen, und Konzerne wie Facebook, Apple oder Amazon sind sich dessen bewusst. Trotz alledem darf man nicht vergessen, dass der Markt groß und die Auswahlmöglichkeiten enorm sind. Mittlerweile gibt es für fast alle Plattformen Ausweichmöglichkeiten, die man nutzen kann, sollte die nächste AGB-Änderung nun wirklich zu weit gehen. Die Entscheidung liegt letztendlich doch bei uns. Und das ist gut so.

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