PPR-NEWS

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KW 36/2016

Das berühmte Münchner Oktoberfest ist dieses Mal nicht nur ein Vergnügen, sondern zugleich ein Präzedenzfall für die behutsame Kommunikation seiner Sicherheit geworden

Bayern, ein Land in Sorge

Zwei Tragödien erschütterten im Juli den Freistaat Bayern. Zuerst schoss ein 18-jähriger Deutsch-Iraner vor einem Fast-Food-Restaurant in München um sich und nahm neun Menschen mit in den Tod. Kurze Zeit später sprengte sich im bayerischen Ansbach ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien vor einem Musikfestival-Gelände mit einer selbstgebauten Bombe in die Luft. Hierbei wurden 15 Menschen verletzt. Der Schock nach den Anschlägen in Deutschlands größtem Bundesland sitzt noch tief. Trotzdem wird ein Mensch als Held gefeiert: Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei in München, der den Amoklauf in der bayerischen Hauptstadt richtig eingeschätzt hat, korrekt gehandelt und durchgegriffen hat. Mittels seiner Kommunikationsstrategie diente er als Ruhepol in einer bundesweit angespannten Situation. Herr da Gloria Martins kommunizierte am Abend des Geschehens schnell, offen und transparent. Er hat die Menschen sachlich informiert, Fragen wie »Können Sie sagen, ob…« gekonnt abgewiesen und klare Grenzen markiert. Zusätzlich kommunizierte die Polizei in München mit der Bevölkerung über soziale Netzwerke auf mehreren Sprachen und teilte so regelmäßig die aktuellsten Informationen. Wenn alles schlimm wird, ist es eine Kunst, das Schlimme gleichwohl in Ruhe aufzuarbeiten. Das hat da Gloria Martins geleistet. Und nun?

Es soll ein Fest im Oktober werden

Nun steht in Bayern das größte Volksfest der Welt vor der Tür: das Münchner Oktoberfest. Seit 1810 findet das Fest jährlich auf der Theresienwiese der bayerischen Landeshauptstadt München statt und wird Jahr für Jahr von rund sechs Millionen Menschen besucht. Doch in diesem Jahr muss sich auch das Oktoberfest neuen Herausforderungen stellen, denn das Thema Sicherheit beschäftigt viele Besucher und Touristen. Aus diesem Grund arbeitet die Stadt München eng mit der örtlichen Polizei zusammen, um ein neues Sicherheitskonzept zu entwerfen. So wird es in diesem Jahr das erste Mal ein Rucksackverbot auf den Wiesn geben. Zusätzlich wird das ganze Gelände mit einem Zaun abgesperrt, an allen Eingängen werden Personenkontrollen durchgeführt und das Sicherheitspersonal wird um mehr als 100 Ordnungskräfte aufgestockt. Bürgermeister Josef Schmid betonte: »Mit dem angepassten Konzept ziehen wir die Lehren aus den jüngsten Ereignissen, ohne den Charakter der Wiesn grundsätzlich zu verändern.« Sowohl auf der Homepage des Münchner Oktoberfestes, als auch auf Social Media Kanälen stellt die Stadt München das neue Sicherheitskonzept offen vor und führt die Kommunikationsstrategie von da Gloria Martins und der Polizei in München offenbar fort. Jeder mündige Bürger weiß, dass es keine absolute Sicherheit insgesamt und in diesen Jahren geben kann. Die Sicherheitsvorbereitungen jedoch überzeugend zu vermitteln, ist eine neue Kunst geworden unter deutschen Kommunikationsexperten, die in diesem Land erst noch zu lernen sein wird. Oktoberfest? Ich wäre dabei, bin im Oktober aber in Hamburg.

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