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KW 27/2016

Einer wie keiner: der Ausnahmeschauspieler Götz George. Wie er auch ein knorriger Kommunikator in eigener Sache war, wollen wir noch einmal erzählen

Ein Mann, ein Baum, knorrig

Viele Kinder der 80er Jahre sind mit Götz George groß geworden. Als »Schimanski« in den »Tatort«-Folgen und in vielen anderen Filmen sahen wir gerne zu, wie er klagte, lachte, weinte, sich prügelte, liebte, schimpfte – also wie er all das an Repertoire aufbot, was einen Großschauspieler ausmacht. Nun ist er am 19. Juni 2016 in Hamburg verstorben. Seitdem ist viel über den Ausnahmeschauspieler geschrieben und gesendet worden. Ein Aspekt seiner beruflichen Karriere und seiner Haltung im privaten Leben verdient gleichwohl auch ein wenig der Würdigung: Der Schauspieler nahm nie ein Blatt vor dem Mund und ging nicht in den Medienmainstream in der vagen Hoffnung, dadurch noch erfolgreicher zu sein. Wer sich die Inhalte verschiedener Zeitungen und Zeitschriften sowie Formaten im Fernsehen der vergangenen Jahre vergegenwärtigt, bedenkt sofort die Einzigartigkeit von Götz George. Aus seinem Privatleben ist nie viel nach außen gedrungen, weil er es nicht erzählte. Klug so. Denken wir an andere Kolleginnen und Kollegen seines Faches, ist sofort erkennbar, wie zu geltungssüchtige Prominente nach dem Tontauben-Prinzip der Boulevardpresse zuerst hoch- und später heruntergeschossen werden. So war George vor allem Schauspieler und wird als solcher in der allgemeinen Wahrnehmung in Erinnerung bleiben, weil er sich, entschuldigen Sie die Ruhrpott-Formulierung, um das andere Gedöns einen Dreck kümmerte.

 

Ein Ausnahmeschauspieler in seinen eigenen Worten

Während andere Stars aus der C-, B- und A-Reihe stets um die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit, Medien und vermeintlichen Freunden buhlten, hat George eine weitere Qualität entwickelt: Als erstklassige Berühmtheit gab er nur dann Interviews, wenn er etwas zu sagen hatte. Er galt unter Medienkollegen als schwieriger Interviewpartner, der auch wütend und knapp sein konnte, saß ihm gegenüber keine kompetente Person. So würdigen wir heute Götz George in seinen eigenen, sperrigen und zugleich klugen Äußerungen, die er abseits seiner direkten Schauspielkunst gab. Wir danken der Online-Ausgabe »Der Westen« der Funke-Gruppe, dass diese dort die schönsten Zitate zusammen getragen haben. Hier ist ein Ausschnitt:

  • »Ich möchte gerne nach 65 arbeitsreichen Jahren Feierabend machen. Auf der Bühne, wie es bei Schauspielern immer heißt, will ich sicher nicht sterben.« (George in einem »WAZ«-Interview, 2014)
  • »Ich bin immer einen recht gradlinigen Weg gegangen. Damit habe ich sicher auch immer wieder Menschen vor den Kopf gestoßen, aber ich habe mich nicht verbiegen lassen.« (George in einem dpa-Interview, 2011)
  • »Entweder, man hat das Leben gepackt oder das Leben hat einen gepackt. Ich glaube mittlerweile, beides ist wohl richtig. Du wirst geliebt und gebeutelt.« (George im Jahr 2014)
  • »Der Deutsche will immer den Jesus haben, der auf die Schnauze fällt und zugibt: mea culpa. (...) Arbeiten, Steuern zahlen und dann wieder weg.« (George über seine Sicht auf Deutschland)
  • »Das war in meinem Leben nie sehr vordergründig. Der Beruf bringt zwar Freunde mit sich, du lernst Menschen kennen und verlässt sie auch wieder. Klammern kann ich nicht.« (George über persönliche Beziehungen)
  • »Was quatschst du mich so blöd an, du Spießer, nur weil ich 'ne Fahne habe?« (George in seiner Rolle als »Tatort«-Kommissar »Schimanski«)

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