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KW 25/2016

Sparen lohnt sich nicht mehr: Warum der einmalige Niedrigzins kaum erzählt wird, erzählen wir

Der Reiz des Geldes verflüchtigt sich wie sanfter Nebel

In unserer heutigen Gesellschaft ist die Vergabe von Krediten für viele Bürger existenziell bedeutend. Doch die eigentlich brennende, kaum diskutierte Frage ist es geworden, was für einen Anreiz die Gläubiger haben, Kredite zu vergeben. Der österreichische Schriftsteller Alexander Engel soll einmal gesagt haben: »Wohltun trägt Zinsen, doch das Kapital geht meist dabei flöten.« Damit ist gemeint, dass ein großes Risiko für den Gläubiger besteht, dass er sein Kapital nicht vom Schuldner zurückerhält. Die Zinsen bilden den harten und durchsetzbaren Anreiz, dieses Risiko trotzdem einzugehen, weil am Ende der mehr bekommt, der verliehen hat. So ist es bekannt, dass es schon im klassischen Griechenland und im römischen Reich Zinsen gab und Kredite Entwicklungen ermöglichten. Im Mittelalter hingegen bestand im mittleren Europa kein geregeltes Bankwesen. Somit war auch das Zinsniveau entsprechend hoch und das Mittelalter oft als eine Phase des Stillstandes beschrieben. Ab der Renaissance entwickelte sich erneut ein Bankwesen, bei dem sich der Zinssatz zwischen drei und fünf Prozent bewegte. So wurde in der langen Folge des Kreditwesens der gesetzliche Zinssatz im Bürgerlichen Gesetzbuch schließlich bei realen vier Prozent fest gehalten. Dieser Deal ist passé. Eine neue Epoche ist da.

 

Sparen war gestern, was ist morgen?

Auch beim Sparen spielen die Zinsen eine wichtige Rolle. So sollen sie das Kapital jährlich um einen festen Prozentsatz erhöhen und den Bürgern einen Anreiz geben, ihr Geld zum Sparen auf die Bank zu bringen. Nur so kann das Bankensystem funktionieren. Doch der Zweck des Zinses ist heute, historisch einmalig, verloren gegangen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null Prozent gestellt, sodass es sich nicht mehr lohnt, Geld zum Sparen auf der Bank einzulagern. Dennoch hört man kaum Beschwerden und es wirkt so, als ob wir in einer bewusst geförderten Angststarre gefangen wären, die kommunikativ extrem gut, weil gar nicht erzählt worden ist - und wenn doch, dann mit dem stets scheinbar unschlagbaren Argument, „es ginge nicht anders“. Der eigentliche Grund, warum wir uns fürchten müssten, sind die bereits wirksamen Minuszinsen. Eine Studie der Gesellschaft für Konsum-, Markt-, und Absatzforschung hat herausgefunden, dass ein Großteil der deutschen Bürger ihr Vermögen bei einem Minuszins von den Banken holen würde. Dadurch käme es zu einer weiteren großen Bankenkrise. Doch sollten wir uns den Nullzins gefallen lassen, nur weil es noch schlimmer kommen könnte? Oder wäre es an der Zeit, den Banken zu zeigen, wo die Grenzen liegen und dass sie mit ihren Kunden nicht machen können, was Sie wollen? Dies ist sowohl auf der Ebene des einzelnen Sparers als auch finanzpolitisch eine heikle Frage.

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