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KW 24/2016

Nein, es kommt keine Sommermärchen-Stimmung zur Fußball-Europameisterschaft auf: eine kleine Psychologie, warum Angst vor Terror und Freude am Fußball widerstreitende Gefühle geworden sind

Eine Mühle der Gefühle

Es könnte ein weiteres Sommermärchen für uns werden: Vergangenen Freitag begann die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Doch das große Fest, auf dem Gastfreundschaft, Gemeinschaft und ein Gefühl der Verbundenheit herrschen sollten, wird von Angst und Misstrauen überschattet. Und so kommt es, dass die EM noch nicht einmal richtig angefangen hat, doch trotzdem werden in den Nachrichten – zu Recht – Bilder von einem russischen Hooligan gezeigt, der auf einen am Boden liegenden Mann eintritt. Wie kann es sein, dass ein Fest, das uns eigentlich Freude bereiten sollte, so viel Angst und Hass stiftet? Nicht nur die gewaltbereiten Fußballfans, sondern auch die Angst vor Terroranschlägen machen die EM in diesem Jahr eher zu einem »Sommeralbtraum« als zu unserem Sommermärchen. So wurde schon im Vorfeld heiß diskutiert, ob die EM – nach den Terroranschlägen in Paris und  Brüssel – überhaupt stattfinden sollte. Wir freuten uns natürlich alle besonders, als Schweinsteiger im ersten Deutschland-Spiel gegen die Ukraine in den letzten Minuten noch ein Tor schießen konnte und ein kurzes erstes Hochgefühl entstand. Doch gleichzeitig gingen uns Fragen im Kopf herum wie: Wie lange kann das noch gut gehen? Wann kommt der nächste Ausbruch von Gewalt? Wie viele Menschen werden noch verletzt werden? Wir befinden uns in einer Zwickmühle der Gefühle.  

 

Gemeinsam stark

»Der Weg heraus dem Leid besteht nicht darin Angst, Trauer und Melancholie besser zu bekämpfen, sondern Glück, Liebe und Zufriedenheit erfahrbar zu machen.« – Das sagte einmal der Psychologe und Autor Dirk de Sousa. An dieser Weisheit sollten wir uns alle ein Beispiel nehmen. Denn neben dem Gefühl der Angst gibt es auch eine wachsende Wut darüber, dass einige Menschen die Macht über uns haben, uns etwas so zu verderben, dass wir es gar nicht mehr richtig genießen können. Die Gewalt und den Terror an sich können wir einzelnen TV-Zuschauer von Köln, München und Hamburg nicht bekämpfen. Sie werden wohl existieren und uns einmal mehr und einmal weniger in Angst und Schrecken versetzen. Allerdings gibt es doch sehr viel wichtigere Gefühle, die die EM in uns hervorrufen sollte. Glück, Liebe und Verbundenheit sind die Empfindungen, an denen wir festhalten sollten, wenn wir sie erfahren, und auf die wir uns konzentrieren müssen und möglichst lange wach halten sollten. Denn erst, wenn die Angst unsere guten Gefühle ganz überdeckt, haben die Terroristen und gewaltbereiten Menschen wirklich gewonnen. So ist die EM eine Gelegenheit, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass man nicht alleine ist und dass wir alles, wenn überhaupt nur, gemeinsam durchstehen können. Während die Jungs Tore schießen, trainieren wir unseren Gefühlshaushalt, das ist die Gelegenheit, die die EM bietet.

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