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KW 22/2016

Snowden, VW, Panama Papers, TTIP: Wie der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung den Investigativjournalismus in Deutschland wiederbelebt

Tiefgründig statt oberflächlich

»Journalistik ist die Kunst, dem Volk glauben zu machen, was die Regierung für gut findet.« – Das soll einmal Heinrich von Kleist gesagt haben. Damit ist gemeint, dass der Journalismus schon zu seinen Anfängen im ersten Jahrhundert v. Chr. stark durch die Politik sowie Wirtschaft beeinflusst wurde. Dies geschah teilweise sehr offensichtlich, so wie bei der Gleichschaltung der Medien im dritten Reich. Heute findet die Beeinflussung der Medien eher verdeckt statt, indem wichtige Fakten vor der Presse unter Verschluss gehalten werden. Um an diese Informationen zu gelangen, bedarf es einer langen und tiefgründigen Recherche, wozu vielen Journalisten jedoch die Zeit fehlt. So landen häufig nur die Themen in die Medien, die leicht zugänglich gemacht wurden. Der Schweizer Politologe Gerhard Kocher sagte einst: »Pressefreiheit nützt nur, wenn es unbequeme Journalisten gibt.« Genau diesen unbequemen, investigativen Journalismus realisiert der 2014 gegründete Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Mithilfe von kritischer und tiefgründiger Recherche konnten brisante Themen wie der VW-Abgasskandal, die Panamapapers und die Ereignisse um Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt werden – zu Zeiten von schnell geschriebenen Artikeln eine große Bedeutung für den tiefgründigen Journalismus.   

 

Sensationalismus oder gründliche Recherche?

So scheint der investigative Journalismus nur positive Seiten zu haben. Aber führt das ständige Suchen nach geheimen Informationen nicht auch zu einer Verbreitung von Sensationalismus und verletzt somit die Ethik der Medien? Kann es sein, dass die investigativen Journalisten meinen, etwas Sensationelles finden zu müssen, wo eventuell nichts gefunden werden kann? Es könnte der Eindruck entstehen, dass der investigative Journalismus versucht, um jeden Preis einen Skandal aufzudecken. Dabei sind die Recherchemethoden fragwürdig und häufig nicht mit der Ethik der Medien vereinbar. Auf der anderen Seite haben die Bürger ein Recht, über alle wichtigen Geschehnisse auf dem Laufenden gehalten zu werden – besonders wenn es sich dabei um etwas handelt, das ihnen Unrecht tut. »Das Problem sind nicht die kritischen Journalisten, sondern die netten.« – Auch das soll Gerhard Kocher einmal gesagt haben. Es wird deutlich, dass es tatsächlich sehr viel schädlicher für die Gesellschaft ist, wenn nie kritisch hinterfragt wird und alles wörtlich übernommen wird, statt einmal zu viel nachzuhaken. Hätten wir ohne den investigativen Journalismus jemals etwas von der VW-Abgasaffäre, den Panamapapers oder Edward Snowden erfahren? Wohl eher nicht. Und so können wir dem Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung nur dankbar sein, dass die deutsche Medienlandschaft wieder Tiefgang erlangt hat.              

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