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KW 20/2016

Ja, mit Moral muss man kommunizieren: ein Plädoyer für Werte, auch wenn es gefährlich wird

Die Moral im Wandel

Es ist ein umstrittenes und heikles Thema: die Moral. Das mag daran liegen, dass moralische Vorstellungen sehr subjektiv sind. Und doch besteht in der Gesellschaft eine gewisse Vorstellung, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte. Die Frage ist nur, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich immer moralisch korrekt verhält. Zudem kommt hinzu, dass Werte und Moral ständig im Wandel sind. Das Thema Sexualität zum Beispiel wurde in den 50er Jahren noch totgeschwiegen. In den 60er Jahren fand allerdings bereits die Revolution der freien Liebe durch die damaligen Hippies statt. Das zeigt, dass Werte und Moral nie langfristig festgelegt werden können. Eine Studie des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (RAL Güte) hat die Moral- und Wertevorstellungen der deutschen Bevölkerung untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die drei wichtigsten Werte Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Rücksicht sind. Allerdings gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern gewisse Grauzonen. Laut der Studie wünschen sich Menschen vermehrt eine Autoritätsperson, die ihnen Wertevorstellungen vorlebt. Allerdings haben sowohl die Politik als auch die Wirtschaft und Kirche einen großen Vertrauensverlust erlitten. Und so stellt sich die Frage, wer uns noch sagen kann, was richtig oder falsch ist.   

 

Eine Frage des Herzens

In der moralischen Frage haben vor allem Politiker die Vorbildfunktion verloren. Wo sind die starken Persönlichkeiten, die wie Martin Luther King, Mahatma Gandhi und Nelson Mandela für ihre Überzeugungen einstehen, ungeachtet der Konsequenzen? So etwas scheint es heute nicht mehr zu geben – stattdessen denkt jeder an sich selbst. Zudem gibt es die Medien, die sich als Wächter der Moral verstehen und dabei häufig vorverurteilen. So ist das letzte Urteil noch nicht gesprochen und doch meinen wir schon zu wissen, was der Angeklagte getan oder gesagt haben soll. Doch wann ist es moralisch klug, etwas zu sagen und wann ist schweigen die bessere Wahl?  Der deutsche Betriebswirt Horst-Joachim Rahn sagte einmal: »Die Moral der Gesellschaft beginnt bei uns selbst.« Damit wird gemeint sein, dass wir aufhören sollten, uns an anderen zu orientieren und unseren eigenen Vorstellungen von Moral und Werten treu bleiben sollten. Denn nur, wer mit dem Herzen bei der Sache ist, kann hinter dem eigenen Verhalten stehen. Und trotzdem bleibt bei der Moral immer die Frage, welche Grenzen überschritten werden dürfen beziehungsweise sollen und welche nicht. Und so lassen auch wir bei der Frage der Moral einige Fragen bewusst offen, um nicht unmoralisch zu werden.  

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