PPR-NEWS

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KW 14/2016

Wo sich Menschen heute überall informieren, nur kaum noch in der Tageszeitung – die Geschichte eines Niedergangs

Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Tageszeitungen – Was macht dieses Medium so einzigartig, dass wir es nicht einfach in der Ära des digitalen Zeitalters ersetzten könnten? Die Geschichte der Tageszeitung ist bis Ende des 20. Jahrhunderts ein Erfolg. Dann jedoch begann ihr Niedergang mit dem Aufkommen von Radio, Fernsehen und Internet. Laut einer Studie des Statistikportals statista erreichte die Auflage der Tageszeitungen im vergangenen Jahr mit 16,1 Millionen Exemplaren einen neuen Tiefstand. Große Tageszeitungen wie die Frankfurter Rundschau haben Insolvenz angemeldet. Die neue Ära des digitalen Zeitalters hat begonnen. Doch sollte deswegen die jahrhundertelange Tradition Zeitung einfach untergehen? Dabei war die Entwicklung der Tageszeitung von der allerersten erschienenen im Jahre 1605 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts exponentiell. Der amerikanische Schriftsteller Henry Miller sagte einst: »In einer wirklich guten Zeitung spricht die Nation zu sich selbst.« Besonders zum Ende der Weimarer Republik war dieses Phänomen ausgeprägt. Die Beliebtheit der Zeitungen durch die Industrialisierung, der Entwicklung der Städte sowie der Liberalisierung der Gesellschaft im Hinblick auf die Presse- und Informationsfreiheit wuchs immer weiter an und besonders politische Themen wurden in den Zeitungen behandelt. Dies lag daran, dass Zeitungen die einzigen Möglichkeiten waren, sich in der Politik eine Meinung zu bilden und so Einfluss nehmen zu können. Diese Monopolstellung gehört nun der Vergangenheit an – was zum Ende einer langen Erfolgsgeschichte führt.

Konstruktiver Journalismus als Antwort?

»Und was jetzt?«, »Wie kann es weiter gehen?«, »Was kann besser werden?« – das sind die Fragen, mit denen der Journalismus versucht, sich gegen den Untergang der Tageszeitungen zu behaupten. Denn dies ist eine neue Form des Journalismus – der konstruktive Journalismus. Dieser soll das Interesse der Bevölkerung an hochwertiger journalistischer Arbeit wieder fördern. Problemlösungen, Alternativen, verschiedene Perspektiven – eine positive Entwicklung auf die Thematik soll bewirkt werden. Diese Art von Journalismus geht weit über die simple Berichterstattung hinaus, die Fernsehen und Internet überflutet. In Deutschland ist die »Perspektive Daily« ein Vorreiter des konstruktiven Journalismus. Das Medium überzeugt mit Tiefgang, Lösungsvorschlägen und verschiedenen Perspektiven. Zudem können die Leser Themen, über die berichtet werden soll, vorschlagen. Die Frage ist nur, ob das wirklich die Lösung auf das Problem des Untergangs der Tageszeitungen ist. Haben Menschen wirklich noch Interesse an hochwertiger journalistischer Arbeit, wenn sie als Alternative leichtverständliche und oft schon meinungsbeeinflusste Berichterstattung präsentiert bekommen? Möglicherweise ist das die Antwort – wir sind zu bequem geworden, um uns eine eigene Meinung zu bilden. Vielleicht ist der Untergang der Tageszeitungen nur ein Symptom von der eigentlichen Krankheit – dem Niedergang des hochwertigen Journalismus. Aus diesem Grund sollte sich jeder selbst fragen: Bilde ich mir meine Meinung oder lasse ich mir meine Meinung bilden?

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