PPR-NEWS

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KW 11/2016

Wie Katastrophen, Innovationen und Visionäre die Umweltpolitik des 21. Jahrhunderts vorantreiben – die mediale Rezeption eines globalen Reizthemas

Was kontrovers ist, über das wird berichtet

Sigmar Gabriel bezeichnete einmal den Klimawandel als die wichtigste globale Herausforderung unserer Zeit. Gemessen an dieser großen Bedeutung, erscheint es als paradox, dass dieses Thema nur in zyklischen Kurven in der öffentlichen Kommunikation auftaucht. Eine internationale Presseauswertung der University of Colorado belegt zudem, weltweit eine sinkende Medienberichterstattung über die Weltklimagipfel: das Medieninteresse am Pariser Klimagipfel lag deutlich unter dem am Gipfel in Kopenhagen im Jahr 2009. Warum? Die Kopenhagener Verhandlungen waren geprägt von kontroversen Diskussionen – eine spannende Situation für die Medien. Zudem wurde 2009 Barack Obama der neue amerikanische Präsident, der eine Prioritätenänderung in der amerikanischen Umweltpolitik versprach. Zum Vergleich: Die Hauptnachrichtensender der USA berichteten insgesamt 205 Minuten über den Gipfel in Kopenhagen, aber nur 146 Minuten über Paris. Das Umweltbundesamt versucht mit einem Ideen-Wettbewerb neue Impulse für die Umweltpolitik in der Bevölkerung zu geben und durch Partizipation Öffentlichkeit und Transparenz herzustellen.

 

Kontextherstellung – Einordnung in die richtigen Zusammenhänge

In Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel in der Umweltpolitik getan. Seither ist ein regelrechter Siegeszug der Erneuerbaren Energien zu beobachten. Auslöser für den Wandel waren Umweltkatastrophen wie Sandy, Katrina oder Fukushima. Sie haben eine emotionale Betroffenheit in der Öffentlichkeit ausgelöst, die von den Medien aufgegriffen und verstärkt wurde – Katastrophen als Treiber eines umweltpolitischen Umdenkens. Hierbei wird häufig eines vergessen: Bei der Kontextualisierung von Ereignissen und Forschungsergebnissen sollte eine richtige Einordnung in gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge geschehen. Es ist nicht ausreichend zu sagen, der Klimawandel wirke sich auf die Getreideernten aus. Die Medien sollten die richtige Antwort für ihre Region und die Menschen vor Ort finden – Deutschland ist anders betroffen als ein Land in Afrika. Auch Luxuslabels sind von den Produktionsergebnissen der Bauern abhängig: Sie sind auf hochwertige und seltene Rohmaterialien angewiesen. Sinkt die Verlässlichkeit der Produktion, wird ihr gesamtes Geschäftsmodell bedroht. Der Klimawandel betrifft die ganze Wertschöpfungskette und somit auch jeden von uns. Die mediale Kommunikation der Umweltpolitik sollte diese Verknüpfung klug herstellen, um die emotionale Betroffenheit zu steigern.

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