PPR-NEWS

346

KW 03/2016

Wie Fernsehen klug kommuniziert, wenn ein kluger Kopf Platz dafür bekommt: der ewige Alexander Kluge

Kluge(s) Beiträge zur deutschen Kultur

Jurist, Filmemacher, Drehbuchautor, Schriftsteller, Chronist der Gegenwart: Alexander Kluge ist ein Multitalent. Einer, der stets wenig auf die kommerzielle Seite von Kultur und Medien gab und das Besondere – eben das Kluge – schaffen wollte. Ein Kind der Frankfurter Schule ohne sich von ihr zu sehr vereinnahmen zu lassen. Als ausgebildeter Jurist über ein Volontariat beim großen Fritz Lang zum Film gekommen, wurde Kluge zu einem der Wegbereiter des Jungen Deutschen Films (JDF). Oft geht sein Name ein wenig unter neben solchen JDF-Vertretern wie Volker Schlöndorff, Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder – zu Unrecht. Mit »Deutschland im Herbst« zeigte Kluge 1978 bereits eine erste Essenz seines filmischen wie literarischen Schaffens, bevor 1983 sein Hauptwerk »Die Macht der Gefühle« folgte. Alles ist geprägt von Episodenhaftigkeit, der Vermischung von Realität und Fiktion sowie dem Versuch, Zusammenhänge ebenso zu erfassen wie Chronologien und Biografien, und nicht zuletzt auch durch die stetige Reflexion des menschlichen Innern. Dies zeigt sich auch heute noch in seinem 2015 zuletzt erschienenen Buch »Kongs große Stunde – Chronik des Zusammenhangs«. Doch Kluge ist eines eben nie gewesen: ein weltfremder Künstler. Das Thema Öffentlichkeit hat ihn als Habermas-Schüler stets umgetrieben, weswegen er mit seiner Umwelt immer eng verknüpft blieb – eine wichtige Voraussetzung für seinen medialen Einfluss bis heute.

Kluge und der Horizont

Kluge ist immer auch Chronist geblieben. Sachlich, informativ, intellektuell – das sind Kluges Formate heute. Keine Effekthascherei, Sensationslust oder das Aufspringen auf populistische Diskurse. Immer noch stellt Kluge stets Zusammenhänge her, beispielsweise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Kluges Kommunikation ist unaufgeregt, authentisch und ehrlich – damit steht er oft recht alleine da im deutschen Fernsehen. Dass Kluges kulturelle Formate seit Jahrzehnten ausgerechnet im kommerziellen, privaten TV laufen, verdankt er übrigens einem glücklichen Umstand: Das deutsche Mediengesetz verpflichtete die Privatsender, seit sich diese Ende der 1980er Jahre in Deutschland immer stärker durchsetzten, dazu, Sendeplätze für unabhängige Kulturformate zur Verfügung zu stellen. Kluge sprang in diese Bresche mit der von ihm gegründeten »dctp« (Development Company for Television Program). Bis heute steht der Name »dctp« für hochwertige Berichterstattung und Reportagen. Damit setzt er einen angenehmen Kontrapunkt zwischen Daily-Soaps, Möchtegern-Superstars und Dschungelcampern. Und noch etwas anderes zeigt sich bei Kluge: Kluge(s) Kommunikation ist auch eine Frage des Horizonts. Dieser ist bei Kluge sehr breit. Ein Problem nicht nur von einer Seite sehen, Zusammenhänge erfassen und herstellen, über den Tellerrand sehen, Denken und Emotionen verknüpfen – mit diesem Hintergrund können wir wie Kluge kluge Dinge sagen.  

Zurück