PPR-NEWS

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KW 01/2016

Die Kommunikation der neuen Populisten: Fakten, verdrehte Wahrheiten und die modernen Medien

Die Ambivalenz des Populismus und sein Erfolg

Der Populismus ist in den letzten Jahren deutlich auf dem Vormarsch, dies dürfte wohl inzwischen niemandem mehr entgangen sein. Der (erneute) Wahlsieg Viktor Orbans in Ungarn 2010, der Front National in Frankreich, der seit 2011 mit Marine Le Pen wieder »gesellschaftsfähig« wurde, die Gründung der AfD in Deutschland 2013 und nun die aktuellen Entwicklungen in Polen und – jenseits des Atlantiks – die unsäglichen Auftritte Donald Trumps. Der Anspruch der Populisten war seit jeher stets der Gleiche: In besonderem Maße das Volk und seine Souveränität zu repräsentieren. Soweit so gut, ist doch die Volkssouveränität ein Kernpunkt des demokratischen Staates. Doch gleichzeitig konstruiert der Populismus bewusst das Bild eines idealisierten, homogenen Volkes, das in dieser Form gar nicht existiert. Der Populismus wird somit zum Feind jeden Pluralismus und damit schließlich auch einer freien, bürgerlichen Gesellschaft. Diese Ambivalenz drückt sich auch in der Kommunikation der Populisten aus: Meist werden Fakten und scheinbar valide Informationen herangezogen, um die eigenen Aussagen zu untermauern, nur um diese dann bis ins Unkenntliche zu verzerren und zu überdehnen. Dass seriöse Informationen immer mehr an Bedeutung verlieren, ist dabei ein gesamtkulturelles, kommunikatives Problem genauso wie eine Krise der Medien im Besonderen.   

 

Populismus und kommerzielle Massenmedien – eine Symbiose

»Infotainment« statt Information ist schon lange ein Phänomen der modernen Massenmedien geworden. Parallel dazu hat sich ein »Politainment« entwickelt, dass ebenso die seriöse Politik immer öfter auf dem Altar der massenmedientauglichen Unterhaltungsindustrie darbietet. Der Populismus profitiert insbesondere davon, die Nachfrage der Medien nach Inhalten bedienen zu können, die große Mengen an Empfängern erreichen und dadurch kommerziellen Erfolg garantieren. So befinden sich Populismus und Massenmedien in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Den Zusammenhang von »Masse und Macht« analysierte übrigens so klug wie kein anderer bereits Elias Canetti in seinem gleichnamigen Hauptwerk. Doch kann das Erstarken des Populismus somit auch als Gegenbewegung zum Niedergang des seriösen, unabhängigen und investigativen Journalismus gelesen werden, zu dem vielen Medien inzwischen die finanziellen Mittel fehlen. Daher ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, eine Kommunikationskultur zu schaffen, die verantwortungsbewusst, faktenbasiert, ehrlich und informiert ist und in der die Wahrheit nicht aus kommerziellen oder ideologischen Motiven verzerrt wird. Denn Kommunikationskultur und politische Kultur hängen untrennbar miteinander zusammen. So heißt dies auch, für einen unabhängigen und starken Journalismus einzutreten, denn dieser ist das wirksamste Mittel gegen den Populismus – das hat übrigens auch die polnische Regierung verstanden.

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