PPR-NEWS

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KW 48/2015

Warum informiert sein zu wollen, in diesen Tagen nicht heißen sollte, dauerhaft im TV, im Radio oder online mit der Welt zu tun zu haben. Ein kommunikativer Ratgeber zum stetigen Abschalten

Von den Einsamen lernen, um gemeinschaftlich zu bleiben

Es gibt in der Kulturgeschichte viele Fälle von Menschen, die in die Einsamkeit zogen. Seien es Buddhisten, die jahrelang allein lebten, oder Denker, die sich in die Wüsten zurückzogen, bis hin zu Aussteigern, die fern der modernen Welt Bauernhöfe betreiben. All diese Menschen hatten im Grunde eines gemeinsam: Sie verweigerten sich bewusst der Kommunikation ihrer Gesellschaft. Nun ist es so, dass viele solcher Menschen wieder inmitten ihrer Gemeinschaft zurückkehrten. Sie hatten danach oft andere Gedanken mitzuteilen als der vibrierende Teil der Menschen, die alltäglich mit dem Leben und der Kommunikation ihrer Gesellschaft zu tun hatten. Daraus sind Religionen entstanden, Ratgeber, ideologische Modelle oder einfach nur Stichwortgeber, die Wörter mitbrachten, die ohne sie kaum Bedeutung gewonnen hätten. Warum nur gehen Menschen immer wieder dem Tosen aus dem Weg? Wer sich vor dem Hintergrund des Internets, Smartphones und der überbordenden Fähigkeiten der neuen Technologien stetig der Informationswelt aussetzt, spürt mehr und mehr, warum das Abschalten, zumindest auf Zeit, eine gesunde Form ist, mit der heutigen Welt besser klar zu kommen.

 

Umschalten auf das Abschalten – und mal in den Himmel schauen

Man muss kein Moses oder Bergwanderer aus den Alpen sein, um sich zurückzuziehen. Wir alle haben Verantwortung, Arbeit, Verwandte und leben in täglichen Strukturen, die bedient sein wollen. Gleichwohl erleben viele Menschen die stetige Nachrichtenlage als bedrohend, bedrängend und anstrengend. Ohne dass wir uns dem Trommelfeuer der Medien bewusst entziehen, ist jede Schlagzeile auch ein Schlag für uns. In dieser Woche haben wir gelernt, dass ein russischer Kampfjet vom türkischen Militär abgeschossen wurde. Die derzeitigen Schlagzeilen führen dazu, dass nicht wenige Menschen in ihrem eigenen Alltagsgefühl belastet sind und Nähe zu Themen empfinden, die im Grunde – nüchtern betrachtet – erst einmal meilenweit weg sind. So ist der Ratgeber, der sich aus der Erfahrung der Psychologie, der Elternschaft und des eigenen Nachdenkens speist, eindeutig: Umschalten auf das Abschalten ist eine Haltung, die gelernt sein will. So plädiere ich dafür, Eremit auf kurze Zeit zu werden, für sechs Stunden, für nur einen Tag. Wer Medien gezielt nutzt, der ist besser versorgt. Weniger zu wissen, schafft ein größeres Wissen um die wesentlichen Dinge. Das ist die Grundlage dieser Aussage. Abschalten schafft erst die Qualität, dort mitzureden, wo es um etwas wirklich Bedeutendes geht. Haben Sie in die letzten Wochen ein Buch in die Hand genommen, Sport getrieben, sich ein frisches Essen zubereitet? Wenn ja, wissen Sie, was ich meine; wenn nicht, so schauen Sie doch mal, dass es für Sie heute nicht mehr die »Tagesschau« um 20:00 Uhr oder die Push-Meldungen der Online-Medien gibt.

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