PPR-NEWS

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KW 41/2015

Ethik zahlt sich tatsächlich aus: Warum der menschliche Wert einer Person und einer Firma und eines Konzerns heute zur baren Münze geworden ist, erzählen wir im Kleinen und im Großen

Ein Sturz an der Börse folgte, nachdem das Vertrauen einbrach

Es ist immer gut, in die Antike zu schauen, wenn es um das Grundlegende geht. Was haben der historisch einmalige Wertverlust von VW an der Börse und der Imageschaden von ADAC nach manipulierten Leser-Rankings mit Aristoteles zu tun? Was lehren die Jahre, die Siemens benötigte, um seine Vorfälle von Korruption aufzuarbeiten? Warum sollten Entscheider von lokalen Firmen, die im Ort und in der Gemeinde Umweltprobleme schaffen, alte, scheinbar verstaubte Denker gelesen haben? Die Antwort liegt für die Anhänger der Begründer der europäischen Idee in der uralten Frage, was Wirtschaften überhaupt ist. Wirtschaften, damals wie heute, so begründete es bereits Aristoteles im ersten Buch der Politik, ist eben keine selbstzweckhafte, für sich einsam stehende Sphäre. Wirtschaftliches Handeln ist stets mehr als die Befriedigung der persönlichen Gier. So ist in der Folge im Mittelalter das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns entwickelt worden, das bis heute gesetzlich gilt. So traten Unternehmer stets auch als Förderer von Arbeits- und Lebensbedingungen auf. Was heißt das heute? Es heißt, dass die Verantwortung von Unternehmen auch ihre Auswirkung auf die Gesellschaft umfasst. Wer, wie in diesen Monaten bei VW, sich gegen die Regeln zum Schutz der Gesellschaft stellt, der erleidet in Zeiten der globalen sowie regionalen totalen Informationsvernetzung das, was VW nun in gigantischem Ausmaß widerfährt. In kleineren Einheiten kann die Folge ebenfalls existenzbedrohend sein: der buchhalterische, direkte Wertverlust von Produkten und Dienstleistungen, wenn die Gesellschaft ihre Ethik angegriffen sieht und die Medien ebenso wie die privaten Verbraucher als Sender von Kommunikationsinhalten das unternehmerische Handeln als falsch bewerten.

Eben keine Binse: Allein wird der sein, der nicht für andere da gewesen ist

Selbstredend gibt es Geschäftsmodelle, die abseits jeglicher Ethik funktionieren. Doch wie lang geht das gut? Wer sein Wirtschaftsleben auf Dauer anlegen möchte, der ist gut beraten - unterstützt von moderner Public Relations -, sein Verhalten auch auf Dauer den Werten und Normen der Gesellschaft nach zu leben. So ist das lange belächelte Thema der Corporate Social Responsibility (CSR) heute längst nicht mehr nur ein notwendiger Kostenblock, den Unternehmen und Organisationen nur nebenbei laufen lassen. Es geht bei CSR nicht allein um die Verbesserung des eigenen Images, nicht allein um Vorbeugung gegen die Schaffung strengerer Gesetze, nicht allein um die Vermeidung von Folgekosten durch Pannen und Unfälle (wie etwa beim Tankerunglück der Exxon Valdez 1989 oder bei der Rückholaktion von mit Blei belastetem Spielzeug durch Mattel 2007). Vielmehr gibt es heute wichtige Gründe, ethisch zu handeln. Wer verstanden hat, wie eine total vernetzte Welt auch ein Netz an Urteil und Vorurteil, an Information und Fehlinformation über die Menschen und die Unternehmen geworfen hat, der kann es geradezu mit der Angst zu tun bekommen. Die der Wirtschaft durchaus nahe stehende FAZ hat über den entlassenen Wirtschaftsführer von VW ein hartes Urteil gefällt: „Entehrt“. Wiedergeben möchte ich es im Grunde nicht, derart hart fällt das Urteil des Wirtschaftsredakteurs aus. Es zeigt gleichwohl, dass Ethik in der Wirtschaft erneut eine Frage der Ehre geworden ist. Und das hat auch mit der Tugend eines alten, lange verstorbenen, jedoch einflussreichen Philosophen zu tun: Artistoteles, der die Tugendhaftigkeit über die kalte Münze gestellt hat – bereits vor sehr langer Zeit.

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