PPR-NEWS

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KW 14/2015

Fische sind Schweine« verkündet selbst eines der größten Leitmedien

»Fische sind Schweine« verkündet selbst eines der größten Leitmedien

»Fische sind die armen Schweine«, »Mangelnde Bewegung: Millionen Menschen sterben durch Herumsitzen« oder »Iran will Hähnchen im TV zensieren«: Liest der zunächst unwissende Zeitungsleser diese kurios anmutenden Überschriften, mag er glauben, die morgendliche Eile hätte ihn unbewusst zur Boulevardzeitung greifen lassen. Eine Boulevardzeitung ist laut Duden eine »sensationell aufgemachte Zeitung, die besonders mit Gesellschaftsklatsch u. ä. ihre Leser unterhält«. Die Leser der Boulevardzeitungen schätzen vielleicht den sehr eigentümlichen Stil dieses Zeitungsgenres. Die oben genannten Schlagzeilen stammen jedoch nicht aus der Boulevardzeitung - berühmt-berüchtigt für belegbar krawallige, dazu nichtssagende Überschriften - sondern aus einem seriösen Leitmedium, einer deutschen Qualitätszeitung der ersten Stunde. Wir würden einer Qualitätszeitung gerne folgende Attribute verleihen: »Seriosität, Verlässlichkeit, Exaktheit«. Doch was ist geblieben? Eine Effekthascherei, wovon die oben genannten Schlagzeilen nur so strotzen.

Irrelevanz oder Relevanz? Viele Schlagzeilen führen in die Irre

Schlagzeilen helfen dem Leser zu selektieren, ob ihm der jeweilige Beitrag als lesenswert erscheint und ob er sich schlussendlich mit einem Thema auseinandersetzen möchte. Reißerische Überschriften in Qualitätszeitungen, die vorrangig dem Unterhaltungswert dienen, deuten jedoch auf eine Entwicklung in der Print-Presse, die im Zuge der Schnelligkeit des Internets seit langem von uns traurig beobachtet und konstatiert wird. Die traditionellen Qualitätsmerkmale, lange Zeit durch den erstklassigen Journalismus der deutschen Qualitätsmedien repräsentiert, weichen der Boulevardisierung der Print-Presse. Das ist oftmals bereits spürbar, erkennbar und merkbar in der Schlagzeile über dem Artikel - mit bedeutenden Auswirkungen auf die eigentliche Meinungsbildungsfunktion. Misslingt die Schlagzeile, kann der Leser die Bedeutung des Themas nicht einschätzen und stuft es womöglich als irrelevant ein. Dabei tragen gerade Qualitätszeitungen zur Mündigkeit eines jeden Bürgers bei und nehmen dabei eine wichtige gesellschaftliche und politische Funktion ein. Frei nach den Worten von Niklas Luhmann »Was wir über unsere Gesellschaft, ja, über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien« müssen Schlagzeilen künftig wieder informativ und lehrreich sein. Auf Widersprüchlichkeit und Paradoxie können wir getrost verzichten. Wenn ein Politiker bestimmte Schlagzeilen der Leitmedien im Deutschen Bundestag nur einmal in eine Rede einbaute, müsste er zurücktreten. Den Beweis dazu zu führen, erübrigt sich für alle, die bestimmte Titel und ihre Schlagzeilen im vergangenen Jahr auch nur einmal gelesen haben.

Thema der nächsten Woche: Was ist in unserem Alltag wichtig, was nicht? Über die Abwesenheit von wichtigen Diskussionen in unserem Privatleben, auf unserer Arbeit - und in den öffentlichen Debatten

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