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KW 48/2017

Warum der Schäuble ein Fuchs und ein Titan ist: die erfolgreiche Kommunikation eines deutschen Großpolitikers

Eine Polit-Karriere, die ihresgleichen sucht

Nach 45 Jahren im Bundestag ist er dienstältestes Mitglied, hat Positionen in der Bundesregierung vom Innen- bis zum Finanzminister bekleidet, war einst Partei- und Fraktionsvorsitzender der CDU und ist heute Präsident des Bundestags – die Nummer zwei im Staate. Die Rede ist von Wolfgang Schäuble, der kaum mehr von der deutschen Polit-Bühne wegzudenken scheint. In über vier Jahrzehnten erlebte seine Karriere einige Hochs und Tiefs. Sein wohl glanzvollstes Stück ist seine maßgebliche Mitarbeit an der deutschen Einheit unter Helmut Kohl. In den Verhandlungen um einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro im Zuge der Banken- und Finanzkrise avancierte er zeitweise sogar zum wichtigsten und tonangebenden Politiker Europas – auch wenn er seine harte Linie letztlich nicht zum ersten Mal zugunsten der Bundeskanzlerin aufgeben musste. Der ehemalige Finanzminister strahlt eine Nüchternheit und Stetigkeit aus, in der ihm höchstens die Bundeskanzlerin selbst konkurrieren kann. Doch dies war keineswegs immer so. Spendenaffäre? – Längst vergessen.

Vom Stark bleiben in schwachen Momenten

Nach mehrmaligem Leugnen räumte Schäuble im Januar 2000 ein, 100.000 DM vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber für die CDU in bar entgegengenommen zu haben und räumte seine Posten als Partei- und Fraktionsvorsitzender. Während der Verbleib der Bar-Spende bis heute ungeklärt bleibt, rehabilitierte Schäuble sein Ansehen doch gekonnt, obwohl seine politische Karriere Anfang der 2000er fast als beendet galt. Merkel holte ihn jedoch 2005 zurück in die erste Reihe als Innenminister. Er tritt als Hardliner auf. Gleichzeitig nimmt man ihm seine Leidenschaft für Politik voll und ganz ab. Und egal, wie lange die Notverhandlungen in Brüssel während der Griechenlandkrise dauerten, Schäuble verteidigte einen harten Sparkurs gegenüber Griechenland, hütete auch den deutschen Staatshaushalt bis zur schwarzen Null und argumentierte so lange wie ein Pfennigfuchser, bis der Bundestag 2014 einem Haushaltsplan ohne neue Kredite, dafür aber mit kaum Investitionen in Bildung und Ökologie zustimmte. Sparen war nicht nur international, sondern auch national sein Credo und kaum jemand kann so leidenschaftlich über Finanzen streiten wie er und damit auch überzeugen. Ein Titan der Zeit wegen, ein Fuchs ob seiner Politik.

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