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KW 45/2017

Was wäre die Welt ohne das Smartphone? Besser oder schlechter? Ein kurzer Diskurs

Eine Welt ohne Smartphone

Jeder und jede kennt es: Spätestens 15 Minuten nach Verlassen der Haustür. Der Griff an die Jacken- oder Hosentasche, in die Handtasche, den Rucksack. Aufregung macht sich breit, dann entweder das erlösende Gefühl, das Smartphone doch noch in irgendeiner Tasche gefunden zu haben oder Beklemmung, weil es irgendwo liegengeblieben sein muss. Vor gut zehn Jahren revolutionierte Apples erstes iPhone die Art und Weise, wie wir kommunizieren und unseren Tagesablauf organisieren. Doch wie sähe ein Leben ohne den kompakten Computer in unseren Taschen aus? Wir würden vielleicht wieder unangekündigt an Haustüren klingeln, einfach nur, um »Hallo« zu sagen und vorbeizuschauen. Wir wären vielleicht dankbar darüber, auch einmal nicht erreichbar zu sein und wieder mit mehr Bedacht kommunizieren – nicht zwischen Tür und Angel, sondern in Ruhe am Festnetztelefon, über Postkarten und Briefe. Beim Zugfahren würden wir aus dem Fenster schauen, vielleicht zeichnen, was wir sonst fotografieren würden, nach Feierabend wirklich Feierabend haben, im Urlaub wirklich Urlaub haben. Zweifelsfrei eine romantische Vorstellung. Gleichzeitig bedeutete eine Welt ohne Smartphone, ohne Navigation durch fremde Städte zu irren; kein Notizbuch zur Hand zu haben, wenn es darauf ankommt; spontane Verabredungen fielen flach. Der sonst so einfache Kontakt mit Familie und Freunden, die über versendete Fotos ein Stück weit Einblick in die eigene Lebenswelt bekommen, wäre passé oder mit viel Aufwand verbunden.

Sind Smartphones nun ein Segen oder ein Fluch?

Weshalb fragen wir uns immer wieder, ob das Leben mit Smartphone schlechter ist? Weil früher alles besser war? Viele führen hier das Vermischen vom Arbeits- und Privatleben an, welches durch die kleinen Geräte, die sämtliche Funktionen eines Büros übernehmen, möglich gemacht wurde. Zu Recht wird dieser Umstand viel diskutiert und kritisiert. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass krank wird, wer nicht auch abschalten kann, Arbeit Arbeit und Privatleben Privatleben sein lassen kann. Manche Unternehmen setzen sich aktiv dafür ein, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet werden: Volkswagens Server für Smartphones schalten nach Feierabend auf Standby. In diesem Zusammenhang kommt die Frage auf, ob Arbeitnehmende nicht selbst in der Lage sein müssen, zu differenzieren und sich ihr Recht auf Abschalten herauszunehmen. Das ist jedoch viel einfacher gesagt als getan. Gerade dort, wo durch mobiles Arbeiten eben auch viel mehr Flexibilität ermöglicht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorangetrieben wurde. Es bringt nichts, fortschreitende technologische Entwicklung zu verteufeln, wir profitieren viel zu sehr von ihren Vorzügen. Gleichzeitig muss man sich eingestehen, den Umgang mit der potenziellen dauerhaften Erreichbarkeit erst noch erlernen zu müssen. Nicht nur individuell, auch gesellschaftlich. Bis dahin heißt es: ab und an dazu zwingen abzuschalten.

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