PPR-NEWS

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KW 41/2017

Warum Finanzpolitik schwer zu kommunizieren ist, erläutern wir am Beispiel einer Macht: der Europäischen Zentralbank, EZB

Kommunikation als wesentlicher Bestandteil der Geldpolitik

Die zwischen 1994 und 1998 aufgebaute Europäische Zentralbank (EZB) wurde zu Beginn einer neuen Ära des Zentralbankwesens errichtet. In dieser Zeit verstärkte eine wichtige Entwicklung die Bedeutung der Kommunikation: Es wurde durch die zunehmende Unabhängigkeit der Zentralbanken immer wichtiger, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren und ihr gegenüber Rechenschaft abzulegen. Für die EZB stellt dies eine überaus komplexe Aufgabe dar: Das Vertrauen der 335 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Eurogebiet aufzubauen, ist eine große Herausforderung für die Kommunikationspolitik. Der Präsident der EZB, Mario Draghi, räumt der Kommunikation einen sehr hohen Stellenwert ein und betont immer wieder, dass Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil der Geldpolitik ist. Draghi bezeichnet die Kommunikation einer Zentralbank als ein Kernelement der Geldpolitik, gar als ein eigenes geldpolitisches Instrument. So können die Aussagen von Zentralbanken beträchtliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben und ein falscher kommunikativer Schritt kann schwerwiegende Konsequenzen haben.

Wie kommuniziert die EZB in Europa mit der Bevölkerung – Herausforderungen und Chancen

Die EZB kommuniziert in 18 Ländern in 15 verschiedenen Sprachen. Und in all diesen Ländern sind die Erwartungen der Bürger unterschiedlich. Seit 2013 ist die Deutschfranzösin Christine Graeff Kommunikationschefin der Europäischen Zentralbank – gerade nach den schweren Krisen und Vertrauensverlusten der vergangenen Jahre keine leichte Aufgabe. Um Vertrauen zu schaffen und dieses auszubauen, müssen die Bevölkerungen aber erst verstehen, was in Frankfurt überhaupt passiert. Die größte Herausforderung laut Graeff besteht also darin, die Menschen aufzuklären. Das ist auch der Leitsatz der EZB-Kommunikation: „Make the ECB understood“. Wichtig hierbei: Eine EZB-Maßnahme wird nicht in allen Ländern und von allen Bürgerinnen und Bürgern getragen werden, aber Vertrauen kann nur aufbaut werden, wenn man auch mit Kritik umgeht und den Sinn hinter Entscheidungen erklärt, die für manche erst einmal negative Auswirkungen haben – wie im Falle des Niedrigzinses –, für das große Ganze aber manchmal absolut notwendig sind. Die EZB als mächtige Kommunikatorin muss also Kritik aushalten und stets sensibel dafür sein, wo genau es Ängste gibt und wie sie entstehen. Nur so lässt sich nachvollziehen, woher Misstrauen rührt, denn es gibt einen engen Zusammenhang zwischen fehlenden Informationen und niedrigem Vertrauen.

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