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KW 36/2017

Warum wir Menschen abstrakte Gefährdungen wie den Klimawandel nur bedingt wahrnehmen: das Drama, Grundlegendes nur schwer ändern zu können

Das Drama, Grundlegendes schwer ändern zu können

Einige von uns kennen es: Wir hören beispielsweise davon, dass Personen nach jahrzehntelangem Zigarettenkonsum an Lungenkrebs erkranken – und trotzdem rauchen sie weiter. In den Nachrichten hören wir von starken Überschwemmungen in Texas, die Tausende Menschen in die Obdachlosigkeit stürzen. Wenn im Fernsehen darüber berichtet wird, dass Inselgruppen innerhalb der nächsten Generationen aufgrund des steigenden Meeresspiegels vollständig unterhalb der Wasseroberfläche verschwinden werden, macht uns das zwar betroffen, bleibt uns aber häufig nicht allzu lange in unserem Bewusstsein. Unser eigenes Verhalten ändern wir trotz etwaiger Konsequenzen, die uns bevorstehen könnten und uns durchaus bewusst sind, oftmals nicht. Woran liegt es, dass wir persönliche wie auch nicht persönliche Schicksalsschläge hinnehmen, sie fast erwarten, doch nicht alles daran setzen, sie, falls möglich, durch unser alltägliches Verhalten abzuwenden? Gerade bei globalen Gefährdungen wie dem Klimawandel könnte man uns Egoismus vorwerfen. Solange uns etwas nicht unmittelbar betrifft, sehen viele von uns nicht die Notwendigkeit zu handeln oder jahrzehntelange Gewohnheiten abzulegen. Doch früher oder später, ob für unsere nachfolgenden Generationen oder uns selbst, werden auch Problematiken, die heute noch in weiter Ferne scheinen, akut. Die Grundproblematik des Klimawandels hat sich nicht geändert. Doch die Welt dreht sich trotzdem weiter.

Auch wenn er für uns nicht direkt greifbar ist: Der Klimawandel ist allgegenwärtig

Klimaforscher sind sich einig, der Mensch mache die Erde immer wärmer. Seit Beginn des industriellen Zeitalters sei es zu einer enormen Zunahme der Kohlendioxidkonzentration gekommen, wie in den vergangenen 800.000 Jahren nicht. Doch noch immer gibt es Personen, die nicht glauben, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Skeptiker des Klimawandels führen beispielsweise an, die Erde habe sich in den vergangenen Jahren verhältnismäßig nicht mehr erwärmt als zuvor und der Anteil des von Menschen verursachten CO2-Ausstoßes liege lediglich bei 3,5 Prozent. Vulkane beispielsweise stießen viel mehr CO2 aus, als menschliche Aktivitäten. Die Menge an CO2 ist aber »[…] garantiert deutlich niedriger als die vom Menschen verursachte«, sagt Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Tatsächlich, so Experten, sei die CO2-Emission des Menschen im Laufe des Industriezeitalters auf insgesamt rund 30 Milliarden Tonnen CO2 jährlich angestiegen. Vulkanische-CO2-Emissionen betragen dagegen nur rund 0,03 Milliarden Tonnen Kohlenstoff jährlich. Ein weiteres Argument der Skeptiker ist unter anderem, dass die Erde 4,6 Milliarden Jahre alt ist und Eiszeiten auf Warmzeiten folgten und umgekehrt – alles ohne menschliches Zutun. Die Thesen über das (Nicht-)Vorhandensein des Klimawandels und den menschlichen Einfluss sind vielfältig. Was wir davon glauben, ist uns selbst überlassen. Sicher ist aber, dass jede unserer Entscheidungen für oder gegen etwas auch ein Verhalten mit sich bringt. Und unsere alltäglichen Handlungen haben Konsequenzen, denen wir uns stets bewusst sein sollten.

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