PPR-NEWS

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KW 35/2017

Leben wir mit den Medien, leben wir schlecht: das Beispiel Wetter 2017

Unsere Abhängigkeit von den Medien: Segen und Fluch zugleich

Durch die Medien erhalten wir alltäglich die Grundversorgung an Informationen. Die Medien haben dabei die Aufgabe, zu selektieren, über welche der weltweit unzähligen Ereignisse sie berichten wollen und insbesondere, zu entscheiden, welchen Blickwinkel sie bei ihrer Berichterstattung einnehmen und an die Rezipienten vermitteln wollen. Die Themenauswahl und Interpretationsangebote der Medien haben also hohen Einfluss darauf, über welche Themen wir diskutieren und wie wir über sie denken. In diesem Jahr wird auffallend häufig über das Wetter berichtet. Der Hochsommer, ohne Hoch in diesem Jahr, neigt sich bereits dem Ende zu. Voller Erwartungen verfolgen wir im Fernsehen oder in Zeitungen die Wettervorhersagen und hoffen auf einige letzte Sonnentage im Spätsommer dieses Jahres. Die Augsburger Allgemeine erläutert nach einem Besuch des Deutschen Wetterdienstes (DWD), wie ein Wetterbericht entsteht. In Deutschland gibt es insgesamt 170 Wetterwarten. Sie messen Temperaturen im und über dem Boden, die Niederschlagsmenge und den Luftdruck. Der DWD greift weltweit auf ein Netzwerk von 11.000 Wetterstationen zu. Diese erfassen kontinuierlich Daten und speisen sie in ein Computersystem ein. Zudem werden neben Radarsystemen und Satellitenbildern Radio-Sonden für die Erstellung des Wetterberichtes verwendet. Die erfassten Daten der Sonden, Radarsysteme und Satellitenbilder bilden die Grundlage für die Erstellung der Wetterberichte. Doch diese Daten bilden noch keinen Wetterbericht.

Und wieder einmal lag der Wetterbericht daneben

Zur Erstellung eines Wetterberichtes werden hochleistungsfähige Computer benötigt, die zusammen eine Rechenleistung von rund 30.000 durchschnittlichen Computern aus dem Privat-oder Bürogebrauch haben. Die Computer des DWDs legen ein virtuelles Gitternetz über die Erde. Mit den erfassten Daten können die Computer bestimmen, wie sich das Wetter an jedem einzelnen Gitterpunkt unter verschiedenen Gegebenheiten verändern könnte. Daraus erstellt der Computer Vorhersagemodelle, die die Meteorologen interpretieren. »Nur aus der Beobachtung lässt sich eine Vorhersage ableiten«, so der Leiter des Regionalzentrums des Deutschen Wetterdienstes. Bei unserer alltäglichen Planung sind wir auf die Medien angewiesen und verlassen uns gern auf deren Wetterberichte. Doch wenn ein regenfreier Tag von den Wetterexperten prognostiziert wird und wir das Haus ohne wetterfeste Kleidung verlassen, fällt die Enttäuschung, wenn wir mit hellen Schuhen durch Pfützen laufen, oft groß aus. Wie bei vielen anderen Themen auch, ist eine Orientierung an den Medien für uns sicherlich hilfreich und oft auch notwendig. Doch häufig ist eine kritische Sicht auf die vermittelten Inhalte, wie beispielsweise beim Wetterbericht, sinnvoll: So hat sich die alte Bauernregel »Abendrot – Gutwetterbot' – Morgenrot mit Regen droht« oft eher bewahrheitet.

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