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KW 31/2017

Eine Sportart, die es verdient hat, dass mehr über sie berichtet wird: Frauenfußball und die EM in den Niederlanden

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen

Alle vier Jahre findet die UEFA-Fußball-Europameisterschaft statt. Sehnsüchtig erwarten tausende Fans das Auftaktspiel bereits Wochen im Voraus. Wenn es endlich soweit ist, werden im Büro eifrig die ersten Wetten abgeschlossen und ganz Deutschland verfolgt zu Hause vor dem Fernseher oder beim Public Viewing jedes einzelne Spiel. Die erste Europameisterschaft fand 1960 statt und wurde damals noch unter dem Namen »Europapokal der Nationen« ausgetragen. 1966 wurde der Wettbewerb offiziell zur Fußball-Europameisterschaft erklärt. In diesem Jahr findet die Europameisterschaft (der Frauen), vom 16. Juli bis zum 6. August bereits zum zwölften Mal statt. Viele Personen haben dies nur am Rande mitbekommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die diesjährige Europameisterschaft von den Frauen ausgetragen wird. Fußballspiele bringen dem Fernsehen nach wie vor die höchsten Zuschauerquoten ein. Das Auftaktspiel der Frauen-EM Niederlande-Norwegen in Utrecht erreichte rund 2,4 Millionen Personen. Damit betrug der Marktanteil rund 11,8 Prozent. Das EM-Aus der deutschen Frauen-Nationalmannschaft verfolgten sogar 5,7 Millionen Zuschauer. Die Einschaltquoten scheinen hoch, sind im Vergleich zu den Einschaltquoten der Männer-EM jedoch gering: Die Halbfinalniederlage gegen Frankreich im vergangenen Jahr sahen 29,85 Millionen Zuschauer, was dem ZDF einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent einbrachte. Das Interesse am Frauenfußball und auch die Kommunikation darüber scheinen nach wie vor im Schatten des Herrenfußballs zu stehen.

Der kleine, aber feine Unterschied: die Teilnehmenden

Auffällig ist neben den niedrigeren Einschaltquoten auch, dass wesentlich weniger über den Frauenfußball berichtet wird. Aber warum ist das eigentlich so? Es ist schließlich die gleiche Sportart und der gleiche Wettbewerb. Die Europameisterschaft läuft bereits seit zwei Monaten, die Spiele werden zur Primetime von den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern übertragen und die deutsche Mannschaft wurde bis zu ihrem Aus als Favorit des Turniers gehandelt. Lediglich das Geschlecht der Teilnehmenden ist ein anderes. Auch die Euphorie, hitzig über Spiele zu diskutieren oder überhaupt ein Wort darüber zu verlieren, scheint gering. Ein Grund mag sein, dass viele von uns das Fußballspiel der Frauen immer noch mit dem der Männer vergleichen. Eine Frau ist angeblich nicht so stark und schnell wie ein Mann, ein Fußballspiel der Frauen vielleicht weniger rasant. Die Größe der Tore wurde nach den Körpergrößen der Männer ausgerichtet, sodass eine durchschnittlich große Frau auch mit einem hohen Sprung die Torlatte kaum erreichen kann. In vielen anderen Sportarten gibt es geschlechtsspezifische Unterscheidungen, gemessen an der körperlichen Leistungsfähigkeit von Frau und Mann. Würden die Tore bei Frauen kleiner sein, bestände schnell ein Diskriminierungsverdacht. Aber würde eine geschlechtsspezifische Anpassung des Fußballs nicht die weibliche Emanzipation, nach der diese Sportlerinnen streben, fördern? Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Individuen oder Personengruppen miteinander zu vergleichen und über Frauenfußball genau so häufig und emotional berichten wie über den Sport der Herren. So sollte man lieber nicht über die starken Regenfälle vor dem Spiel Deutschland-Dänemark berichten, sondern über die Leistungen am nächsten Spieltag.

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