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KW 28/2017

Fukushima war doch erst gerade eben: Wenn Katastrophen immer größer werden, ist eine große Katastrophe auch nur klein kommuniziert

Die fehlende Kommunikation einer bis heute andauernden Katastrophe

Nach mehr als sechs Jahren ist es medial ruhig geworden um den Super-GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Ein Erdbeben sowie ein darauffolgender Tsunami gelten als die Auslöser für die Unfallserie, die in einer Katastrophe mündete und bei der große Mengen radioaktives Material freigesetzt wurden. Wie viel Caesium letztlich während des Super-GAUs austrat und Luft sowie Boden kontaminierte, ist bis heute umstritten. Manche Studien gehen davon aus, dass die ausgetretene Menge weit unter der von Tschernobyl lag, andere halten die beiden Katastrophen in etwa für vergleichbar. Gleichermaßen ungeklärt und umstritten sind Angaben zu direkten und indirekten Todesopfern im Zuge der Katastrophe – diese reichen von 0 bis 14.000 in den ersten 14 Wochen nach dem Unfall. Als relativ gesichert gilt, dass in Japan 185 Kinder und Jugendliche seit 2011 an Schilddrüsenkrebs erkrankten – eine Krebsart, die normalerweise nicht in so jungen Jahren auftritt. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, während in Japans öffentlichem Diskurs die Katastrophe und deren Folgen nicht mehr behandelt und Zusammenhänge zwischen radioaktiver Strahlung und Schilddrüsenkrebs bei Kindern negiert werden.

Aufklärung und Folgen verdienen Kommunikation

Auch in Europa ist es still geworden um das Ereignis, das einige Wochen so omnipräsent schien. Einzig zum Jahrestag der Katastrophe am 11. März erinnern Berichte an das Geschehene und dessen Folgen. Dies ist fatal – für diejenigen, deren gesundheitliche Verfassung sie bis heute täglich an die Folgen erinnert, an die Folgen einer Katastrophe, die aus dem öffentlichen Bewusstsein zu schwinden scheint. Nun kann und sollte nicht täglich über Fukushima und ähnliche Fälle immer und immer wieder berichtet werden. Sehr wohl aber muss sich regelmäßig mit den Lehren, die aus einer solchen Tragödie zu ziehen sind, auseinandergesetzt werden – ebenso wie mit ihrer Aufklärung. Das Beispiel von Fukushima zeigt, wie große Krisen letztlich auch nur noch klein kommuniziert werden. In den ersten Momenten sind solche Katastrophen so groß, dass ihre Bedeutung kaum mehr vermittelt werden kann. Nach wenigen Jahren scheinen sie so klein, dass selbst ihre bis heute andauernden Folgen kaum mehr kommuniziert werden.

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